Brodowin

Das Dorf Brodowin

Als das Kloster Chorin noch von Mönchen bewohnt war, mußten viele Dörfer bestimmte Abgaben leisten, von denen die Mönche ihre täglichen Bedürfnisse bestritten. Das Dorf Brodowin war verpflichtet, alljährlich Brot und Wein nach Chorin zu liefern. Davon hat das Dorf seinen Namen: Brodowin (Brot und Wein) erhalten.

Schloß im Rosinsee

Zu gewissen Tagen steigt um Mitternacht aus den Wässern des Rosinsees bei Brodowin ein hellerleuchtetes Schloß auf, das dann kurze Zeit inmitten des Sees auf einer Erhöhung prangt. Es ist aber ganz von Holz und ohne jedes Eisenteil, jedoch sehr kostbar. Au ch trocknet dann ein weißes Schloßfräulein daselbst ihre spinnwebfeine Wäsche, und eine prächtige Glaskutsche mit vier Schimmeln bespannt, fährt in die Fluten des Sees hinein, wo ein Plasterdamm bis zum Schloß führt. Dann erheben sich brandend bis an die W ipfel der höchsten Bäume die Seegewässer, eine weiße Gans schwebt flügelschlagend und wehklagend darüber hin und alles versinkt in die Tiefe. Der wilde Jäger treibt gleichfalls dort sein Spiel bei der Köte, und mancher Wanderer ist arg genasführt worden. P ferde dürfen in der Nähe des Rosinsees überhaupt niemals geschlagen und sonst gequält werden, es würde dem Tierquäler böse dort ergehen.

Rainfarren

Nur in der einzigen Johannisnacht, in der Stunde zwischen elf und zwölf Uhr blüht das Kraut Reenepfarre (Rainfarren), und wer diese Blüte bei sich trägt, der wird dadurch den übrigen Menschen unsichtbar. So ging es auch einmal einem Bauern in der Gegend vo n Brodowin; er fuhr nämlich gerade zu dieser Zeit mit seiner Frau in die Stadt, um Bier zu holen, und stieg, da die Pferde im Sande nur langsam gehen konnten, vom Wagen, um ein Weilchen nebenher zu gehen. Auf einmal bemerkte seine Frau, daß er verschwunden war, aber gleichwohl sieht sie, daß die Zügel wie vorher gehalten werden; sie ruft ihn daher, und er antwortet ihr ganz verwundert, ob sie ihn nicht sehe, er sei ja dicht neben ihr am Wagen. Aber sie sah ihn nicht, und dabei war's doch, da ja Johannisnach t war, so helle, daß man hätte eine Stecknadel finden können. So ging's fort bis nach der Stadt; sie sprach mehrmals mit ihm, er antwortete auch, aber blieb immer noch unsichtbar. Als sie nun nach der Stadt kamen, hörte der Wirt und alles Hausgesinde wohl den Bauern reden, aber sie sahen ihn nicht, so daß dem Bauern ganz Angst wurde, weil er nicht wußte, was er daraus machen solle. Da sagte ihm der Wirt, der ein kluger Mann war, er solle doch einmal die Schuhe ausziehen; das tat er auch, und augenblicklich war er wieder sichtbar, aber nun war an seiner Stelle der Wirt verschwunden. nach einer kleinen Weile kam auch dieser wieder zum Vorschein und brachte dem Bauern seine Schuhe, und nun waren beide wieder sichtbar, wie zuvor. Das war, wie der Wirt einmal in späterer Zeit erzählt hat, daher gekommen, daß der Bauer während des Gehens mit seinen Füßen die Blüten des Rainfarrens abgestreift hatte, und diese ihm in die Schuhe gefallen waren; daher hatte ihm der Wirt geraten, er solle dieselben ausziehen, und hatt e in seiner Kammer die Blüten herausgeschüttet, die er darauf zu seinem eigenen nutzen, da ja der Bauer nichts davon wußte, aufbewahrt hat.

Gefangene Prinzessin

An dem Wege von Brodowin nach Serwest liegt der Rahnberg. Auf seiner Spitze befindet sich ein maulwurfähnlicher Hügel. Wenn man darauf steht, hat man einen weiten Ausblick in die Umgebung.

Vor Jahren legte sich darauf ein Mann zum Ausruhen. er schlief ein, und hörte im Traume ein heftiges Gehen und Rennen im Innern des Berges. Wie er die Augen aufmachte, entdeckte er einen Spalt in der erde. Er sah hinein, und erblickte unten einen hellerleu chteten Palast. Unzählige Männer, angetan mit den schönsten Kleidern, liefen hastig durch die Räume. Sie trugen vielen Schmuck und große Kisten Gold nach einem prächtig ausgeschmückten Saal, darinnen eine bildhübsche Prinzessin auf goldenem Thron saß, zu B oden sah und still vor sich hinweinte. Sie achtete nicht des vielen Goldes und hörte nicht auf die tröstenden Reden ihrer vielen Zofen und Hofdamen. nur einmal sah sie mit ihren verweinten Augen auf und sagte:

Mein Prinz, kommst du bald
aus dem grünen Wald?

Da wurde der Mann wach. Er sah, wie eine goldene Kutsche mit vier prächtigen Schimmeln im rasenden Galopp um den Rahnberg sauste. Ein junger hübscher Prinz saß darin und suchte nach der Einfahrt. Wie er das dritte Mal herum war, sagte er:

Ich kann nicht kommen,
den Schlüssel genommen.

Da war das Gefährt weg. Der Mann bekam Furcht und wollte gehen. Als er sich umdrehte und den Parsteiner See im Rücken hatte, sah er am Fuße des Berges einen alten Mann, der wie der Teufel aussah, einen großen goldenen Schlüssel in der Hand trug und in den Berg verschwand.

Feuerreiter

In Chorin hat einmal ein Amtsrat Meyer gelebt. Der hat den jüngeren Zeitgenossen eine Geschichte erzählt, die diese zum Teil als wahre Begebenheit weitererzählen. Nur die alten Leute haben die Köpfe geschüttelt und gesagt: Amtsrat Meyer möt et jo weten! Es war in einer Augustnacht, als in dem Dorfe Brodowin eine große Feuersbrunst ausbrach. Bald hatte sie alle Bauernhöfe bis auf die Grundmauern eingeäschert. Nur zwei Häuser standen noch, drohten aber auch jeden Augenblick ein Raub der Flammen zu werden. Da tauchte plötzlich auf der Choriner Landstraße ein Reiter auf. In wilden Sprüngen umritt er die beiden gefährdeten Gehöfte, immer im Kreise herum. Auf einmal stand plötzlich das Feuer still. Der Mann, der das Feuer besprechen konnte, war ein Feuerreiter. Sp äter nannte man ihn das "Feuermännchen".

Der Teufelsstein

In früheren Zeiten lag auf der Brodowiner Feldmark ein großer Stein, in dem waren ganz deutlich neun Löcher sichtbar. die hatte der Teufel hineingehauen, denn er hat immer Kegel gespielt und in den Löchern seine Kegel aufgestellt.

a b o @ o d e r b e r g . i n f o
©1999-2010 Andreas Bonadt 

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