Chorin

Böttcher bei den Unterirdischen

Öfters hat es schon des Nachts Leute in der Nähe des Klosters Chorin gerufen, daß sie dahin kommen sollen, aber nicht alle haben auf diese Stimme geachtet und sind darum auch nicht so glücklich gewesen, wie der Böttcher, der vor vielen Jahren in einem der Tagelöhnerhäuser bei Chorin wohnte. Der hörte auch einmal in der Nacht die Stimme, die rief ganz laut seinen Namen, als wenn jemand in der Stube wäre und gab ihm einen Ort im Kloster an, wo er sich einfinden solle, aber er tat, als höre er's nicht, und dre hte sich um. Da rief es zum zweiten und endlich zum dritten Male; nun stand er auf, nahm all sein Handwerkszeug: Messer, Beil, Hammer und Reifen, wie es ihm die Stimme geheißen hatte, mit sich und ging nach dem bestimmten Orte. Hier fand er ein kleines Män nchen stehen, das grüßte ihn und war sehr freundlich, sagte ihm aber, er müsse sich die Augen verbinden lassen, denn anders könne er nicht mit ihm gehen, fügte auch hinzu, daß ihm kein Leides geschehen sollte. Da ließ es denn der Böttcher geschehen, und da s Männlein führte ihn nun eine ganze Strecke, bis es ihm endlich die Binde abnahm und er sich in einem geräumigen Keller sah, wo er noch eine große Menge ebensolcher Männlein, wie sein Begleiter war, erblickte, die mit verschiedenen Dingen beschäftigt ware n, aber kein Wort sprachen. Jetzt hieß das graue Männchen den Böttcher um 12 große Fässer, welche dort standen, neue Bänder legen; er führte diese Arbeit zur Zufriedenheit aus und erhielt nun die Erlaubnis, von jedem der zwölf großen Goldhaufen, die bei de n Fässern lagen, einen Teil für sich als Bezahlung zu nehmen. Darauf ward ihm die Binde wieder vor die Augen gelegt, dasselbe graue Männlein führte ihn zurück, und er fand sich bald mit seinem Schatze allein an dem Orte, wohin ihn die Stimme zuerst gerufen hatte.

Schatz im Kloster Chorin

Alljährlich erscheinen in Chorin zwei Mönche, die nachsehen, ob der große Schatz noch in den alten Kellergewölben liegt. Sie nehmen sich dann immer einen Teil davon mit. Die Mönche hatte nun einmal ein Amtsschreiber des Amtsrats K. gesehen und war ihnen na chgegangen, ohne daß sie es merkten. Er hatte dabei bemerkt, wie sie vor eine eiserne Tür kamen und einige Worte sprachen, worauf sich die Tür auftat und die Mönche hineingingen. Das alles hatte er sich wohlgemerkt, und da er eine Liebste hatte, die er ger n längst geheiratet, wenn er nur Geld gehabt, ging er zu ihrem Bruder und erzählte ihm alles. Dabei fragte er ihn, ob sie beide hingehen und sich auch Geld holen wollte. Er war auch bereit, und so gingen sie in den Gang hinab und kamen zu der eisernen Tür. Hier sprach er die Worte, die er den Mönchen abgelernt hatte und sogleich sprang die Tür auf. Darauf gingen sie weiter und kamen an eine zweite Tür, die er auf dieselbe Weise öffnete und sogleich hineinging. Aber kaum war er hindurch, so schlug auch die T ür hinter ihm zu, und der andere blieb draußen. Wie er noch so dasteht, hört er drinnen einen gewaltigen Lärm und Geschrei; aber das dauerte nur wenige Augenblicke, dann war's vorbei. Da zauderte er erst und war unschlüssig, was er tun sollte, denn er moch te doch nachdem, was er gehört hatte, wohl einige Furcht haben; aber andererseits hat er die großen, bis zum Rand gefüllten Fässer mit Gold gesehen und wollte auch wissen, was mit seinem Führer geworden war. Da sprach er getrost die Worte, die Tür ging auf und er sah den Schreiber, in viele kleine Stücke zerhackt, daliegen. Denn die Worte, womit die Mönche die Tür geöffnet, hatte er wohl gehört, aber nicht diejenigen, welche sie drinnen gesprochen. Da faßte ihn ein gewaltiges Grauen, und ohne auch nur ein G oldstück anzurühren, kehrte er um, ging nach Haus und hat nie wieder nach dem Golde verlangt.

Schatz im Kloster Mariensee

Einst spielten zwei Knaben zwischen den Ruinen des alten Klosters Mariensee. Es waren Hütejungen, die die Tiere weiden sollten. Da ihnen aber die Zeit zu lang war, ließen sie ihre Ziegen laufen, wie sie wollten, und spielten in den alten Gemäuern. Dabei ge wahrte einer ein tiefes Loch in der Erde, und als er hineinsah, schien es ihm, als ob tief unten ein Lichtschimmer glänzte. er rief die anderen herbei und nun sahen sie über den Rand in die Grube, konnten aber nichts entdecken und verspotteten den Kamerade n, der das Licht gesehen haben wollte. Ein großer, der ihm mißgünstig war, stieß dem Kleinen, als er sich hinabbeugte, die Mütze vom Kopf und rief, es sei der Wind gewesen. Der Junge schrie, als hätte er den Verstand verloren, denn er hatte daheim eine bös e Stiefmutter und durfte ohne die Mütze nicht wiederkommen. Da knüpften die anderen ihre Stricke zusammen, mit denen sie die Ziegen anzubinden pflegten, und ließen ihn in den Schacht hinunter, damit er seine Mütze wiederfände. Als der Junge hinabkam, sah e r einen Gang und am Ende des Ganges ein Licht. Da saß an einem Tisch ein alter Mönch und las. Zu seinen Füßen aber schlief ein Hund. Von der Mütze aber war nichts zu sehen. Der fromme Mann erhob seinen Kopf und fragte, was er begehre. Da erzählte der Junge , daß er seine Mütze verloren hatte. Der Mönch sprach: Greif unter den Tisch und nimm, was hineingeht. Aber wecke mir den Hund nicht!. Der Knabe bückte sich. Da lag unter dem Tisch die Mütze, und daneben ein Haufen Gold. Der Knabe tat in die Mütze, was sie halten konnte, und bedankte sich von Herzen. Dann zogen ihn seine Kameraden heraus ans Licht. Er zeigte ihnen den Schatz und wollte mit ihnen teilen; aber der Große, der die Mütze hinabgeworfen hatte, wollte nicht. In ihm war die Gier erwacht. Er ließ sei ne eigene Kappe in das Loch fallen und sich dann auch hinunterlassen. Unten saß der Mönch und sprach wiederum: Nimm, was hineingeht, aber wecke mir den Hund nicht!. Der Junge raffte zusammen, was er fand, aber in seiner Sucht wühlte er, daß der Haufen unte r Klirren zusammenstürzte. Da erwachte der Hund und zerriß ihn.

Sage vom geraubten Schatz

Chorin war seit einem Jahrhundert seiner Bestimmung entzogen, nachdem Luthers Lehre auch hier zur herrschenden geworden war. Verlassen standen die Hallen, die dem alten Kultus geweiht gewesen. Nicht mehr wurden von den Zisterzienser-Mönchen fromme Lieder i n der Klosterkirche gesungen und feierliche Umzüge durch die weiten Kreuzgänge gehalten. Eine neue verhängnisvolle Zeit war gekommen, der dreißigjährige Krieg durchtobte die deutschen Gauen und trug seine Fackel auch in die Marken. Schwedische Heerscharen nisteten sich hier ein und verwüsteten rings die Gegend. Namentlich Eberswalde äscherten sie fast ganz ein.

Ein schwedischer Reiter hatte beim Bärenwirt, dessen Gasthof auf dem Rosenberge bei Eberswalde an der nach Chorin führenden Straße lag, Quartier genommen und mit dessen schöner Tochter Anna ein zartes Verhältnis angeknüpft. Längst dem unsteten Kriegsleben und dem rohen Treiben seiner Kameraden abhold, wünschte er sehnlichst dem Dienst zu entsagen und an der Seite seiner Geliebten ein neues Leben zu beginnen. Als nun bald darauf die kaiserlichen Scharen herandrangen und die Schweden Eberswalde eiligst räumen mußten, verließ er sein Regiment und blieb beim Bärenwirt. Doch war seines Bleibens dort nicht lange, denn ein kaiserlicher Hauptmann nahm ebendort längere Zeit Wohnung. Um nicht verraten zu werden, mußte der Schwede ein Versteck wählen. Am passendsten er schien ihm hierzu Chorin, das unbewohnt und halb verbrannt, eine Stunde nordwärts lag. Dieses bot so gute Schlupfwinkel, daß selbst bei näherem Nachforschen eine Entdeckung fast unmöglich erschien. Gesagt - getan. Der Schwede verschwand und niemand wußte w ohin. Die Kaiserlichen blieben lange hier stehen. Der Offizier ließ sich die feinen Weine und köstlichen Speisen im Gasthof des Bärenwirtes gar gut schmecken und bewarb sich eifrigst um die Gunst der schönen Anna: Diese wies jedoch seine Bewerbungen entsch ieden zurück. Wochen waren so hingegangen, und selten hatte sie den Geliebten sprechen können, wenn er sich an finsteren Abenden aus seinem Versteck hervorgewagt und sie am versprochenen Stelldichein erwartet hatte.

Eines Tages kam ein Mann in Mönchstracht in den Gasthof zum Bären und setzte sich mit dem Hauptmann in ein besonderes Zimmer. Sein Benehmen war so geheimnisvoll, daß Anna neugierig wurde und von einem Nebenzimmer aus der beiden Unterhaltung belauschte. Da hörte sie denn, wie der Mönch den Offizier zu einem nächtlichen Spaziergang nach Chorin zu bewegen suchte. In der dortigen Klosterkirche, sagte er, sei ein großer Schatz verborgen, wie er aus alten Schriften wisse. An der elften Säule, linker Hand, vom Wes teingange aus gerechnet, sei ein Petrusbild auf die Wand gemalt, und wo die Füße dieses Heiligen den Boden berührten, liege eine große Steinplatte. Wenn man auf diese drücke, so werde sich eine Falltüre öffnen, die zu einem kleinen unterirdischen Gemache f ühre. Dort sei an der rechten Wand ein zweites Petrusbild, zu dessen Füßen eine ähnliche Steinplatte liege. Unter dieser sei ein großer Schatz von güldenen und silbernen Gerätschaften verborgen. Diesen wollten sie bei nächtlicher Stunde heben. Nach längere m Zögern willigte der Kriegsmann ein. Die Aussicht auf großen Gewinn überwand seine Gespensterfurcht. man verabredete die elfte Stunde der Nacht zum Aufbruche.

Der Mond war über die winterliche Landschaft heraufgezogen, als beide dem Kloster zuschritten. Durch den westlichen Eingang traten sie in die Kirche, deren weiter hoher Raum durch das seitlich hereinfallende Mondlicht fast taghell erleuchtet war. Unheimlic h wurde dem Kaiserlichen zumute, seine Phantasie ließ ihn überall Gestalten sehen, die ihn anstarrten und auf ihn zuzukommen schienen. Mit Mühe nur brachte der Priester ihn weiter. An der elften Säule fanden sie das Petrusbild, wie der Priester vorausgesag t hatte. Hell fiel das Mondlicht auf das Gemälde und leuchtete ihnen zur Arbeit. Bald war die rechte Stelle gefunden. Auf einen Druck öffnete sich die Steinplatte und legte den Eingang zu dem Gewölbe frei. Eine Treppe führte in die Tiefe hinunter. Furchtlo s schritt der Priester voran, zaghaft folgte sein Begleiter. Doch was ist das? - An der Wand des Gewölbes steht statt des Goldes eine weiße vermummte Gestalt, deutlich hebt sie sich von der Wandfläche ab. Langsam und drohend streckt sie ihren Arm aus und m acht eine Bewegung, als ob sie den Ankommenden entgegentreten wollte. Da litt es den Kaiserlichen nicht länger; mit einem Satze sprang er die Stufen hinauf und warf die Falltür wieder ins Schloß. Fort trieb es ihn, wie Furien der Hölle. War es ihm doch, al s hörte er einen Donnerschlag und nachfolgend großes Gepolter, als treiben hundert Kobolde ihr Wesen. Um ihn tanzten weiße Gestalten, grinsten ihn mit hohlen Schädeln an und streckte ihre fleischlosen Arme nach ihm aus. Waren es nicht bekannte Gesichter, w aren denn die Toten aus ihren Gräbern wieder erstanden? Glaubte er doch schon Gras darüber gewachsen, wie er bei Magdeburgs Fall Greise, Weiber und Kinder eigenhändig ohne Mitleid hingeschlachtet hatte. Und nun müssen sie ihm wieder erscheinen, - nun wollt en sie ihn für den Frevel fassen. Vergeblich streckt er seine Arme abwehrend aus, umsonst verdoppelt er seine Schritte - sie kommen ihm näher und näher! In fürchterlicher Aufregung rennt er weiter, endlich sieht er den Gasthof zum Bären vor sich. Ihm ist a ls wäre sein Diener um ihn beschäftigt, dann schwinden ihm die Sinne.

Lachend scheint die Sonne ins Zimmer, und Frühlingsdüfte dringen durch das geöffnete Fenster ein, als er die Augen wieder aufschlägt. Fremd ist ihm alles umher, nur seinen alten Diener erkennt er wieder. Woher der Frühling, da es gestern noch Winter war? B ald soll er belehrt werden. Lange, lange Wochen hat er bewußtlos im Fieber gelegen, nachdem er eines Abends in wilder Hast von einem Ausfluge zurückgekehrt war. Von dem Priester hatte niemand wieder etwas gehört. Auch der Bärenwirt und seine Tochter waren unter Hinterlassung ihres sämtlichen Eigentums seit jenem Tage verschwunden.

Später hat man bei Chorin am Weinberge eine Leiche in Mönchstracht gefunden, die Spuren eines gewaltsamen Todes tragend.

Jahre vergingen und man dachte kaum noch an diese Begebenheit. Da wurde ein Eberswalder, den Geschäfte nach Schweden geführt hatten, von einem vornehm gekleideten Herrn in deutscher Sprache gefragt, wie es daheim ginge. Dieser Herr war der verschwundene Bä renwirt. Er erzählte dem erstaunten Eberswalder die Ursache seines plötzlichen Verschwindens. Von seiner Tochter habe er von dem Plane des Mönchs, den Schatz in Chorin zu heben, erfahren, und beschlossen, ihnen zuvorzukommen. Als er mit dem Schweden bei Fo rtschaffung des Schatzes beschäftigt gewesen, seien sie von dem Priester in dem Gewölbe überrascht und angegriffen worden. Dessen Begleiter habe zwar das Weite gesucht, dieser jedoch ihnen mit Gewalt die Beute streitig zu machen gewagt. Da hätten sie sich genötigt gesehen, kurzen Prozeß mit ihm zu machen. Im tiefen Schnee außerhalb des Klosters hätten sie ihn verscharrt und dann unverzüglich mit dem großen Schatze die Reise nach Schweden angetreten.

Mönche vom Mariensee

Vom Leben und Lebenswandel der Mönche im Kloster Mariensee ist uns wenig überliefert. Eine Legende beschuldigt die Mönche allzu leichtsinnigen Lebenswandels und Mangel an Frömmigkeit.

Es geschah einmal, daß Christus und der heilige Petrus in der Welt spazieren gingen. Und zwar soll es zu jener Zeit gewesen sein, zu der der hohe Pförtner den Himmelsschlüssel verlegt hatte und nicht wiederfinden konnte. Darum durfte bis zur Anfertigung ei nes neuen Schlosses keiner in den Himmel gelassen werden. Diese Zwischenzeit benutzte also Petrus, um mit Christus die Erde zu inspizieren.

So kamen sie denn auch eines Tages an den Ort Barsdyn (Parstein), wo man in einem Hause Volkslieder sang. Christus blieb stehen und hörte zu, während Petrus weiterging. Sooft er sich umwandte, sah er den Herrn noch immer wie angewurzelt lauschen. Nicht lan ge dauerte es, da kam Petrus im Weiterwandern an den Parsteinsee, von dessen Ziegeninsel, auf der das Kloster Mariensee stand, fromme Gesänge herüberschallte. Hier blieb Petrus stehen, um zu horchen. Christus aber, der ihn schnell eingeholt hatte, ging vor über. Da wunderte sich Petrus und fragte den Herrn: Warum bleibst Du vor Häusern stehen, in denen man Volkslieder singt, und hier, wo geistliche Gesänge ertönen, gehst Du vorbei?. Da antwortete der Herr: Mein lieber Petrus, dort in Barsdyn sangen sie Volks lieder, aber mit aller nur denkbaren Andacht. Hier aber klangen fromme Chöre ohne jede Andacht!.

Bruder Benedikt

Im Kloster Mariensee lebte einmal ein frommer Mönch, Bruder Benedikt, der las oft den Vers im Psalter: Tausend Jahre in deinem Angesicht sind aber wie der gestrige Tag. Diese Weisheit wollte ihm nicht recht eingehen und er bat eines Tages Gott im inbrünsti gen Gebet, er möchte ihm doch diesen Satz einmal beweisen.

Einst gegen Morgen kurz nach der Mette um 3 Uhr, hörte Benedikt einen Vogel herrlich singen. Als er vor die Kirche trat, sah er ihn drüben am Ufer auf einem Baume sitzen. Er schwang sich in einen Kahn, ruderte hinüber und hörte unter dem Baume lange dem sc hönen Gesange des Vogels zu. Nach einer Weile meinte er, es müsse doch bald zur Prim, dem Gebete um 6 Uhr morgens, läuten. Er setzte sich also wieder in sein Boot und trieb es an die Insel. Als er aber diese betrat, war das Kloster nur noch eine Ruine. Am Rande der Insel, dem See zu, hauste ein alter Eremit, der ihm klarzumachen versuchte, daß das Kloster schon seit über dreihundert Jahren nach Chorin verlegt sei. Und wie er nun auf den See schaute und in den Fischerkähnen Männer in ihm völlig fremden Trach ten sah, wurde es ihm klar, er hatte Jahrhundertelang dort drüben gestanden und dem Vogel zugehört. Gott hatte ihn behütet vor Ungewitter und Durst.

Kloster Chorin

Das Kloster Chorin hat nicht immer an der Stelle gestanden, wo man noch jetzt die schönen Ruinen desselben sieht, sondern es hat ehemals in der Nähe des großen Parsteiner Sees auf dem Rosmarienberge gelegen; warum es aber von dort fortgebracht ist, weiß ma n nicht.

Als nun das neue Kloster an dem Mariensee gebaut wurde, da haben sieben Baumeister lange Jahre daran gearbeitet, bis sie endlich das herrliche Werk vollendet sahen. Es war aber auch eine gar schwere Arbeit, indem sie auch noch einen weiten unterirdischen G ang nach dem Kloster Angermünde, sowie einen von da nach Greiffenberg bauten. So hat es denn lange Zeit gestanden in seiner Pracht, bis es endlich mit allen Gebäuden, die darum und daran sind, auf ewige Zeiten verwünscht worden ist.

Von da an sind die Unterirdischen darin eingezogen, die kommen bald hier, bald dort in ihrer grauen Kleidung und mit dreieckigem Hut zum Vorschein; aber nicht jeder kann sie sehen, sondern nur Sonntagskinder und andere Begabte.

Es wird auch berichtet, daß die Mönche den unterirdischen Gang zum Kloster in Angermünde dazu benutzten, um heimlich zu den dort lebenden Nonnen zu gehen.

Gespenster im Kloster Chorin

Eine weiße Frau und kleine graue Zwerge sollen im Kloster Chorin umgehen. Die Frau soll zu Lebzeiten ein sehr gottloses Leben geführt haben. Nun kann sie keine Ruhe finden, sondern durchschreitet allnächtlich als Büßerin die Ruinen des Klosters. Gar unheim lich hört sich das Klirren und Klappern des großen Schlüsselbundes an, das sie am Gurt trägt, und aus ihrem bleichen Gesicht blicken zwei Augen ernst und unstet in die Weite. Ganz anders die Zwerge. Die eilen geschäftig hin und her, sehen überall nach dem Rechten, und wo Notstand herrscht, da erweisen sich die kleinen Wesen als willige Helfer. Sie wohnen unter den Klostermauern und werden daher auch die Unterirdischen genannt. Aber niemand fürchtet sie. Manch einer möchte ihnen wohl folgen, wenn sie tief in ihrem Gemäuer verschwinden. Denn dort sind sie als Hüter und Wächter der großen Klosterschätze bestellt.

Die weiße Frau (1)

Eine weiße Frau läßt sich öfters des Nachts in der Ruine sehen mit einem großem Schlüsselbund an der Seite, weshalb die Leute sie auch die Utgebersche nennen. Gewöhnlich trägt sie gelbe Pantoffeln. Einige sagen, jetzt komme sie nicht mehr, sie sei verschwu nden, weil ihr einmal einer, als er dies bemerkte, nachgerufen habe: Kiek, die het ja jele Tüffeln an.

Weiße Frau zu Chorin (2)

In den Ruinen des Klosters Chorin läßt sich öfters, besonders des Nachts, eine weiße Frau sehen, die nennt man auch wohl, da sie immer ein großes Bund Schlüssel trägt, die Autgebersche (Ausgeberin); einige sagen jedoch, sie sei jetzt verschwunden, und zwar sei das so gekommen:

Ein Mann, der in der Brauerei des im ehemaligen Klosters gelegenen Amts während der Nacht auf dem Pfarrboden wachte, sah die weiße Frau dort plötzlich hereintreten, und erschrak nicht wenig. Anderen Morgens erzählte er nun den anderen Knechten, was ihm beg egnet, und da fragte ihn einer, ob er ihr denn nach den Füßen gesehen hätte. Jener verneinte es, darauf sagte dieser: Nun, dann wollen wir heut Nacht noch einmal hingehen und nachsehen! Sie setzten sich darauf um Mitternacht auf den Pfarrboden hin und wach ten, und das dauerte auch nicht lange, da kam die weiße Frau langsam hereingeschritten. Jetzt sahen ihr alle sogleich nach den Füßen und bemerkten bei dem Schein der Lampe, daß sie gelbe Pantoffeln anhabe (nach anderen sollen es grüne gewesen sein). Da rie f jener, der zuerst darauf aufmerksam gemacht hatte, lachend: Haha! Die hat ja gelbe Pantoffeln an! Und kaum hatte er's gerufen, so floh sie eiligst davon und ist nie wieder zum Vorschein gekommen.

Spuk

Einmal hatte einer in der Brennstube die Wache. Da kam ein kleines rotes Männchen mit Hörnern und großen Zähnen und stellte sich ihm vor; der Mann ist nie mehr dazu zu bringen gewesen, dort zu wachen. Ein anderes Mal wollte der Jäger des Nachts hinausgehen etwas schießen, da stößt es ihn, wie er so geht, am Ellenbogen. Die Flinte geht los und er schießt sich tot.

Stumme Frösche

Als das Kloster verwünscht wurde, da sind auch die Frösche im Klostersee, dem Marien- oder Amtssee, stumm geworden. Daher kommt es, daß, so viele es dort auch gibt, man doch nie das Quaken der Frösche vernimmt. Andere behaupten freilich, das sei schon zur Zeit der alten Mönche geschehen. Da hätten die Frösche oft durch ihren Lärm die Andacht im Kloster gestört, so daß die frommen Brüder Gott gebeten hätten, sie verstummen zu machen. Das sei denn auch geschehen. Einige erzählen auch, ein Klosterbruder habe d ie Frösche verflucht, da seien alle stumm geworden.

Quakende Frösche in Chorin

Im Mariensee, der dicht ans Kloster Chorin angrenzte, gab es einst zahllose Frösche, die namentlich zur Sommerzeit erschrecklich sich vermehrten, so daß sie den Mönchen nicht nur die Nachtruhe, sondern auch die Andacht raubten. Als wieder einmal die Mönche in feierlicher Prozession singend und betend am Ufer entlangzogen, erhoben die Frösche ein solches Geschrei, daß sie den Gesang der frommen Schar übertönten. Da trat der würdige Prior dicht an das Ufer. Er sprach in nomine dei und fluchte den Fröschen, da sie die göttliche Andacht störten. Da ward es still ringsum, und nie wieder hat man das Quaken der Frösche vernommen. Der Prior aber wurde hoch geehrt bis an sein Ende, denn man meinte, er habe ein Wunder getan.

Trümmelmann

Der alte Fritz hatte einen Trümmelmann (Trommler), den er sehr liebte, denn solange der die Trommel rührte, ging im Felde alles gut. zuletzt nützten dem Fritz auch seine Siege nichts mehr, denn das Geld ging ihm aus; er trug schon löchrige Stiefel, in die das Wasser hineinlief, und stieg deshalb lieber gar nicht mehr vom Pferde. Da rief er den Trümmelmann heran und sprach zu ihm: Trümmelmann, Du mußt mi eenige Schäpel Geld anschaffen, kieke mal, wo Du ditt herkrigst! Der Trümmelmann machte ein trauriges Ges icht, dann aber fiel ihm ein, daß man von dem alten Amtmann von Chorin, einem argen Geizhals und Zauberer, erzähle, er habe ungezählte Fässer Goldes in heimlichen Kellern stehen. Da mußte er hin.

Er machte sich auf, und wie er in Chorin ankommt, sieht er die Arbeitsleute sich keuchend abmühen bei der Ernte, denn dem harten Amtmanne ging alles nicht schnell genug. Trümmelmann stellte sich hin und beginnt seine Trommel zu rühren. Gleich bei den erste n Wirbeln beleben sich die Mienen und die Glieder der Arbeiter, und bald geht die Arbeit, als hülfen hundert unsichtbare Hände. Das gefiel dem Amtmann, und er sann schon darauf, die wunderbare Trommel an sich zu bringen.

In dieser Nacht schlief der Trümmelmann nach schlechtem Abendessen in der Bräustube. An diese stieß eine kleine Kammer, durch eine schmale offene Spalte mit ihr verbunden, in die einzutreten der Amtmann ihm streng verboten hatte. Gegen Mitternacht erwacht der Trümmelmann von dem Geräusch schlürfender Schritte in dieser Kammer. Dann hört er eine schwere Tür gehen, und dumpfe Kellerluft dringt bis zu ihm hin. Nach einiger Zeit scheint die schwere Tür wieder zu schließen, und die Schritte entfernen sich. Das m uß der Trümmelmann untersuchen. Er betritt die Kammer, macht Licht mit seinem Zunder und trommelt leise mit seinen Trommelstöcken an den Wänden hin. Auf einmal weicht ein Teil der Wand zurück, eine steile Treppe zeigt sich, und in dem Keller, zu dem sie fü hrt, stehen mehrere Reihen Fässer übereinander. Das also war der Schatz. Der Trümmelmann steigt hinab, aber heben kann er keines der Fässer, so schwer sind sie.

Am nächsten Morgen geht alles so wie tags zuvor; der Amtmann ist noch ungeduldiger, und Trümmelmann muß trommeln, bis ihm die Hände lahm werden. Endlich, als schon der Vollmond heraufsteigt, ist die letzte Fuhre, ein Fuder Erbsen, herein. Der geizige Amtma nn kümmert sich aber nicht mehr um seinen treuen Helfer und bietet ihm nicht mal ein Abendbrot. Da sucht Trümmelmann in Hunger und Ärger die Erbsen auf, die beim Einfahren der letzten Fuhre zur Erde gefallen sind, um sich daraus selbst ein Gericht zu koche n.

Als er aber die Braustube betritt, wo er die vorige Nacht geschlafen hat, fällt ihm etwas ein. er geht in die Nebenkammer, läßt die Wand zurückweichen und streut auf die Treppe, die zum Keller hinabführt, einen Teil der Erbsen vorsichtig aus. Dann kocht er sich die übrigen Erbsen und legt sich nieder.

Alles kommt, wie in der vorigen Nacht. Aber auf die schlürfenden Schritte und das Ächzen der Tür folgt diesmal ein dumpfer Fall und ein furchtbarer Schrei. Dann ist alles still. Als der Trümmelmann nachsieht, liegt der Geizhals am Fuße der Treppe tot da, m it verdrehtem Gesicht.

Nun war der König Erbe des erbenlosen Geizkragens. Trümmelmann will gleich am Morgen fort, es ihm zu melden. Wie er aber heraustritt, hört er Pferdegetrappel, und bald steht der Fritz mit wenigen Getreuen selbst vor ihm und ruft: Trümmelmann, es steht schl echt, vielleicht kannst Du noch helfen mit dem Geld und Deiner Trommel! Da berichtet Trümmelmann, was er erlebt hat. Neun volle Wagen Goldes läßt der König abfahren, und nun nahm der Krieg bald eine bessere Wendung und kam zu gutem Ende.

Der Tod von Chorin

Es war einmal ein Amtmann zu Chorin, der war hoffärtig, voller Tücke, stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht und von seinen Untergebenen sehr gefürchtet, die nannten ihn den Tod von Chorin, und er hörte das nicht ungern. Aus allem konnte er Geld machen, sogar aus Sand, Asche und Ziegelsteinen, deshalb ließ er heimlich das ihm anvertraute Kloster nach und nach abbrechen, um die Steine und das Holz davon für schweres Geld loszuschlagen; ja er zwang seine Spanndienstpflichtigen zu weiten Reisefuhren, die her ausgebrochenen Steine vom Kloster viele, viele Meilen kostenlos zu fahren. Das ging so lange Jahre. Eines Tages begegnete einem solchen Transport schöner Gewölbesteine aus dem Kloster der König, der von des Amtmanns Schlechtigkeiten nichts wußte. Er erkund igte sich bei den fluchenden Fuhrleuten, woher die schönen Steine, die groben Menschen und das schrecklich elende Zugvieh kämen. Darauf antwortete der Vormann des Zuges, der alte Schmied Pinkpank wars:

O, Herre, de Steene sinn gestahlen,
Unsen Amtmann sall de Düwel halen!

Auf die Zurede des Königs brök ook den Angeren dett Mul upp brachten die Leute ihre Klagen an, worauf der König sofort einen "Expressen" aufsitzen, und den Amtmann von Chorin zu sich auf das Berliner Schloß laden ließ. Der eitle Amtmann meinte nun, der Kön ig habe Verlangen, mal einen richtigen, tüchtigen und reichen Amtmann aus der Uckermark zu sehen. Er läßt sofort die blinkende Glaskutsche sechselang seiner besten Schimmel bespannen und reiste plängschlaß nach Berlin. Der Amtmann wurde hier von seinen Ric htern empfangen und zum Tode verurteilt. Auf die flehentlichen Bitten des Verurteilten hin, schenkte ihm der König das Leben. Aber unter harten Bedingungen: eine große Geldbuße mußte er geben für seine Diebereien am Klostergebäude, daneben traf ihn für die Schindereien an Mensch und Vieh, die Strafe des lebenslänglichen Strangtragens. Der Scharfrichter legte ihm sogleich einen Strick um den Hals, den durfte der Amtmann nie wieder ablegen, und führte ihn nach Spandau, wo er alljährlich nun vierzehn Tage hind urch die "Kugel" karren mußte. Als der Amtmann gestorben war, da ordnete der König an, daß seinen Grabhügel kein Liebeszeichen, keine Blume decken dürfe, sondern nur ein harter Stein und darauf sollte oben eine runde Kugel gesetzt werden, als warnendes Zei chen. Manche meinen nun, die Kugel stelle einen vollgefüllten Geldbeutel vor, andere halten sie für dieselbe Kugel, die der Amtmann alljährlich in Spandau karren mußte, während wieder andere sie für das Abbild des protzigen Amtmannkopfes ansehen, den Kopf, den ihm der König geschenkt hatte. Das wird wohl seine Richtigkeit haben, denn zu gewissen Zeiten fängt diese Kugel von ganz allein an, sich zu drehen und zu bewegen, als sei Leben in ihr, damit meldet sich gemeinhin Unheil an, und es heißt von ihr:

Et wackelt der Kopp,
Der Strick wringt den Nacken,
Der Düwel mät'n Amtmann,
De spälen Upphacken.

Eine weitere Sage schildert die Abrechnung mit dem Amtmann in Berlin etwas anders.

Der Amtmann war nach einem altertümlichen Giebelhaus in einer düsteren, abgelegenen Straße in der Nähe des Königstores in Berlin beschieden worden. Vor diesem befahl er seinem Knecht Johann zu halten und verschwand dann in der alten, mit hölzernen Schnitze reien reich verzierten Tür, die sich auf sein Klingeln geräuschlos geöffnet hatte. Nach einer halben Stunde des Wartens hörte der Kutscher aus einem Fenster des Hauses von einer fremden Stimme den Zuruf, er möchte heute nur nach Chorin zurückfahren und sei nen Herrn am nächsten Tage abholen. Johann, der in seinem langjährigen Dienst beim Amtmann Fragen und Verwundern verlernt hatte, fuhr auch gehorsam nach Chorin zurück, um sich am nächsten Tage wieder pünktlich vor dem alten Hause in der einsamen Straße ein zustellen. Wie groß war aber sein Entsetzen, als plötzlich aus der Tür, in der gestern sein Herr verschwunden war, mehrere schwarz gekleidete Männer heraustraten, die einen schwarz verhangenen Sarg in ihrer Mitte trugen. Bevor der Kutscher, der sich zuerst von einem schauerlichen Traum befangen glaubte, noch zur Besinnung kam, hatten sie schon die unheimliche Last auf seinen Wagen gehoben und ihm dabei mit barscher Stimme zugerufen: Fahr zu, Du elender Knecht eines Halunken! Es ist die letzte Fahrt, die Du mit Deinem sauberen Herrn machen wirst! Von Grausen gepackt, hieb Johann auf seine Gäule ein und jagte die Straße hinunter, ohne den Mut zu haben, sich noch ein einziges Mal umzusehen. Als man den Sarg in Chorin öffnete, fand sich in ihm die Leiche des ung etreuen Amtmanns vor, der ein großes, schwarz versiegeltes Aktenstück beilag, ungefähr des Inhalts:Für die fortgesetzten Frevel, die der Amtmann an dem geheiligten Kloster verübt, wäre dies geheime Gericht an ihm vollzogen worden, nachdem man ihn durch Li st zu seiner eigenen Richtstätte gelockt habe. Darunter ein Namenszug mit blutroten Federstrichen, den niemand zu entziffern vermochte.

a b o @ o d e r b e r g . i n f o
©1999-2010 Andreas Bonadt 

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