Dannenberg

Dannenberger Koboldgeschichten

Einst fuhr ein Bauer aus Dannenberg mit seinem Fuhrwerk zum Markt nach Eberswalde. Unterwegs entdeckte er im Straßengraben eine fette, weiße Henne. Vielleicht hat sie einer verloren, dachte er, stieg ab, fing das Tier ein und steckte es in einen Sack. Dann legte er sie hinter sich auf den Wagen und setzte seine Fahrt fort. Auf einmal hörte er eine Stimme ganz deutlich sagen: Stehe zu Diensten, Herr! Was soll ich dir besorgen? Kaum hatte er diese Worte vernommen, stehen auch seine Pferde plötzlich ganz still , wie gebannt, und rücken und rühren sich nicht von der Stelle. Da lief es dem Bauern eiskalt über den Rücken, er wendete und fuhr, ohne sich umzudrehen, zu der Stelle zurück, wo er die weiße Henne aufgegriffen hatte. Dort warf er sie mit dem Sack in den G raben, gab den Pferden die Peitsche und jagte in schnellstem Galopp zu seinem Hof zurück. Noch lange hörte er hinter sich her die wilden Flüche und Verwünschungen der sonderbaren Henne. Als er abends am warmen Herd sein Abenteuer erzählte, rätselte man hin und her über das seltsame Tier. Großmutter aber wußte Bescheid: Das war ein Kobold. Jemand hatte ihn am Weg ausgesetzt, um ihn loszuwerden. Dort wartete er auf einen neuen Herrn! Überhaupt hatten die Kobolde anscheinend eine Vorliebe für Dannenberg, wenn auch wohl nie mit rechtem Erfolg. Vor Jahren Haben zwei Bauersfrauen, die auf dem Anger bis spät in die Nacht hinein ihr Schwätzchen hielten, einen Kobold gesehen, wie er in feurigem Bogen über Kaffhof und Schäferei dahinflog. Aber ganz genaues wußten sie nachher nicht mehr, es ging alles viel zu schnell. Sie liefen aber am anderen Morgen zum Dorfschmied, der als sachverständig in solchen Dingen galt, weil er schon einmal einen Ziegenbock ohne Kopf auf dem Dach seiner Schmiede entdeckt hatte, und erzählten ihm ihr Erlebnis. Der Schmied gab den Frauen den Rat, das nächste Mal dem Kobold eine Handvoll Sand entgegenzuwerfen. Dann unterbreche er seinen Flug und biete ihnen seine Dienste an. Leider ist unbekannt, ob jemals auf diese Weise in Dannenberg ein Kobol d gefangen wurde.

Spuk im Gamengrund

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts soll es im Gamengrund bei Dannenberg nicht geheuer gewesen sein. Da spukten Kälber ohne Köpfe und Tote ruhelos umher und versuchten, den Reisenden und nächtlichen Wanderern allerlei Schabernack zuzufügen. Sie lockten sie vom Wege ab in die undurchdringliche Tiefe des dunklen Waldes oder zerbrachen die Achsen und Räder des Reisewagens. Deshalb wurde der Gamengrund nach Sonnenuntergang von der Bevölkerung möglichst ganz gemieden. Mußte aber die Reise doch unumgänglich zu spä ter Stunde angetreten werden, dann sollte sich der Wanderer im Gamengrund auf keinen Fall umschauen oder nach rechts oder links blicken. Fahren Kinder auf dem Fuhrwerk mit, so mußten sie sich platt auf den Boden legen und ihre Augen ganz fest schließen. Nu r so kamen sie unbehelligt nachts durch den Gamengrund.

Einmal ließ ein Dannenberger Bauer die bekannten Vorsichtsmaßregeln außer acht. Er fuhr nachts durch den Gamengrund und schaute nach rechts und nach links aufmerksam in die Runde, konnte aber nichts Auffälliges bemerken. Da schimmerte auf einmal dicht nebe n dem Weg ein Gewässer und lockte bei hellem Mondlicht zum nächtlichen Bad in seiner glitzernden Flut. Der Bauer stieg vom Wagen und näherte sich dem Wasser. Kaum hatte er aber seine Füße auf das vermeintliche Ufer gesetzt, versank der Strand unter ihm, un d er glitt hinab in die dunkle Tiefe. Gegen Morgen rasten seine Pferde mit dem führerlosen Wagen schaumbedeckt und schweißtriefend durch das Dorf.

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©1999-2010 Andreas Bonadt 

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