Gabow

Dankbarer Storch

In früher Zeit, so erzählt man sich in Gabow im Kreise Königsberg, stand auf der Scheune des Fischers Schulz ein Storchennest. Einst wollte das Storchenpaar im Frühling wie gewöhnlich das Nest wieder beziehen, doch da zeigte sich ein anderer mächtiger Stor ch, und es entbrannte ein heißer Kampf um das Weibchen. Der fremde Storch blieb Sieger, sein Gegner wurde fürchterlich zugerichtet, stürzte vom Scheunendach und brach ein Bein. Das Weibchen wollte aber durchaus von dem fremden Storch nichts wissen, sondern blieb ihrem verunglücktem Manne treu, so daß der andere Storch endlich das Weite suchte.

Die alte Schulzen nahm sich des Verwundeten an, verband ihm das Bein und heilte ihn, wonach der Storch eine große Zuneigung zu ihr an den Tag legte. Als er vollständig wiederhergestellt war, sagte einst die Alte, die vor der Türe Wolle spann, zu ihrem Lieb ling, der ohne Furcht auf dem Hofe umherlief, sein Futter aus der Hand nahm und dann auch auf das Dach zu seinem Weibchen flog: Kneppendräjer, ik hebbe di nun dien Been jeheelt, nu kannst du mi ut jennet Lant, wo du nu balle hentrekst, ok fär mine Möe war metbrenden.

Das Storchenpaar zog bald danach fort, und als es im nächsten Frühjahr wieder erschien, war die Alte zufällig vor der Hintertür. Sieh, da flog der Storch ganz dreist zu ihr vom Dach herunter, und legte eine goldene Münze zu ihren Füßen. Auf der Münze stand eine Inschrift, die aber selbst der Prediger des nächsten Ortes nicht lesen konnte. Lange wurde das Goldstück in der Familie als Andenken aufbewahrt, kam dann in das Schulzenamt und von hier an den Amtmann in Neuenhagen, wo die Gabower früher Hofdienste z u leisten hatten. Der Amtmann hatte nämlich die ihm auf einem Gelage erzählte Geschichte für ein Märchen gehalten und durch den Augenschein erst eines Besseren belehrt werden müssen. Wo aber seitdem die Goldmünze verblieben, weiß niemand, da der Amtmann a us Neuenhagen fortgezogen ist.

a b o @ o d e r b e r g . i n f o
©1999-2010 Andreas Bonadt 

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