Lunow

Altarstein

Zwischen dem Dorfe Lunow und dem Amt Neuendorf, irre ich nicht, so ist's gerade auf der Grenze, steht ein Granitblock von etwas geringerer Breite, der heißt Altarstein und führt die etwas verwitterte Inschrift Ao. 1602. AS. LVN., die in den Stein gehauen ist. Davon erzählt man, hier an dieser Stelle sei die Lunowsche Glocke gegossen worden, und seien dazu ein Meister und sein Lehrbursche hergekommen. Der Meister habe aber viel vergebliche Versuche gemacht, um das rechte Gemisch zu treffen, und es habe ihm immer nicht recht gelingen wollen. Da sei er fortgegangen nach Oderberg, noch etwas zur Glockenspeise herbeizuholen, und während deß habe der Lehrbursche den Guß versucht, der ihm glücklich gelungen. Als nun der Meister zurückgekehrt, habe er sich gewaltig erzürnt und in der Hitze seinen Gesellen erschlagen Darum habe man zum Andenken den Stein hierhergesetzt und auch die Geschichte darauf geschrieben, die bis heute noch kein Mensch habe entziffern können.

Aus dem Grabe gewachsene Hand (1)

Vor vielen Jahren lebte in Lunow ein Bauer mit Namen Jakob Bertram; gewöhnlich PfälzerJakob genannt, weil seine Vorfahren zur Zeit des Großen Kurfürsten aus der Pfalz eingewandert waren. Seine Wirtschaft gehörte zu den besten im Dorfe, und in seinem Hause sowohl, als auch auf dem Felde, war alles wohlbestellt. Die Kinder Bertrams unterstützten diese in der Wirtschaft wacker. Als aber Martin, so hieß der Sohn, zwanzig Jahre alt war, hielt das Unglück in die Familie seinen Einzug. Eine böse Seuche raffte di e Mutter in kurzer Zeit hinweg, und auch Vater Bertram wurde aufs Krankenlager geworfen. Sein starker Körper widerstand zwar der Krankheit, aber seine Kraft war dahin. Seit dieser Zeit schien es, als ob der Satan von Martin Besitz ergriffen hätte; der bish er so brave und ordentliche Mensch war wie umgewandelt. Der Dorfkrug war jetzt sein liebster Aufenthaltsort, um die Wirtschaft kümmerte er sich gar nicht mehr. Alle Bitten, Ermahnungen und Warnungen seines alten Vaters und seiner Schwester waren erfolgl os. Er achtete nicht im geringsten darauf und trieb es nur noch ärger. Eines Tages, als er wieder aus dem Kruge heimkehrte und sein Vater ihm daher Vorwürfe machte, stürzte er sich, ehe es seine Schwester verhindern konnte, mit geballter Faust wütend auf i hn ein, so daß der Alte betäubt zu Boden sank. Wehe, wehe dir, Martin! rief weinend die Schwester, hast du denn Gottes viertes Gebot ganz vergessen! Denkst du nicht mehr an die Geschichte, welche unsere seelige Mutter uns oft erzählte, von der aus dem Grab e gewachsenen Hand des Kindes, das sich an seinem Vater vergriffen? Martin aber verließ tobend und fluchend das Haus; er sollte es nicht mehr betreten. In der Frühe des folgenden Tages brachten Nachbarn den Jüngling tot seinen Angehörigen. Er war auf der S traße gefunden worden. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein frühes Ende bereitet. Der hart geprüfte alte Vater überlebte dieses Unglück nicht lange Nach einigen Wochen wurde auch er zur ewigen Ruhe gebettet. Als nun eines Tages die Tochter auf den Kirchho f kam, um die Gräber ihrer Lieben zu pflegen, gewahrte sie dort schreckliches. Aus dem Grabe ihres Bruders ragte eine Hand empor. Entsetzt, zitternd und bleich vor Schreck, eilte sie in das nahe gelegene Pfarrhaus und berichtete das Furchtbare. Nachdem man vergeblich alles versucht hatte, die Hand unter die Erde zu bannen, wurde sie abgenommen und als warnendes Beispiel in der Kirche aufbewahrt.

Hand aus dem Grabe (2)

In der Kirche zu Lunow, unweit Oderberg, wurde einst eine verdorrte Hand mit einer Rute in den Fingern aufgehängt. Sie soll einem ungeratenen Jungen gehört haben, der im Zorn seinen Vater geschlagen hatte. Als er gestorben und begraben war, entdeckte man a uf dem Hügel eine Menschenhand, die aus der Erde hervorragte. Alle Dorfbewohner ergriff Entsetzen, aber sie meinten, das sei die Hand, die widernatürlich seinen eigenen Vater gezüchtigt hatte. Man versuchte sie dadurch zu beseitigen, daß man sie mit Erde b edeckte und, als das nichts half, sie mit einer Rute schlug. Aber so oft man beides auch tat, immer wieder erschien die Hand auf's neue aus dem Grabe. Da machte man endlich kurzen Prozeß, schlug sie ab, und hing sie mit einer Rute in den Fingern zum ewigen abschreckenden Beispiel in der Kirche auf.

Hausierer

Nach dem Tode des Bauern Y., so erzählen die alten Lunower, ereignete sich etwas ganz Furchtbares. Kurz vor seinem Tode war auf seinen Hof ein Hausierer gekommen, der Hosenriemen, Knöpfe, Spangen und auch Bilderbögen aus Neuruppin verkaufte. Der Bauer stan d unter der Haustür und suchte sich Bilder aus. Dann gab er dem Händler Geld, aber es war kaum die Hälfte von dem, was jener zu verlangen hatte. Als der Mann mehr forderte, geriet der jähzornige Bauer sofort in sinnlose Wut. Wüst schimpfend machte er die H unde los und hetzte sie auf den Hausierer. Der floh vor den Bestien, drehte sich aber um und schrie den Bauern noch an: Dich werden die Hunde noch einmal aus dem Grab kratzen!. Der Bauer ist bald darauf gestorben, und sie haben ihn an der Kirche begraben. Die Stelle kennt jeder in Lunow. Aber schon in der ersten nacht sind Hunde gekommen und haben das Grab aufgescharrt. Am Tage warf man es wieder zu. Doch die Hunde kamen abermals. Sie kamen aus Lüdersdorf und Parstein, aus Stolzenagen und Hohensaaten. Zehn Hunde erst, dann hundert. So jede Nacht. Man hat den Sarg mit Brettern bedeckt und Steine daraufgelegt. Es hat alles nichts geholfen. Die Tiere schlichen, schwammen und jagten von weither. Immer wieder und wieder. Bis der Spuk plötzlich aufgehört hat. Die Leute sagen im Dorf, eine Frau hätte ihn besprochen.

Drei Engel

Als im Jahre 1866 überall die Cholera gewesen ist, da sind auch in Lunow ein paar hundert Menschen gestorben nur in dem Teil an der Kirche, den man den "Winkel" nennt, kein einziger. Im ganzen "Winkel" hat niemand an den Tod glauben müssen, im übrigen Dor f waren es in jedem Haus zwei oder mehr. Eines nachts ist einer gegangen und hat im Mondschein auf der Dorfstraße, da wo sie zum "Winkel" führt und wo der Kirchhof liegt, drei Engel stehen sehen. Die haben den Knochenmann nicht in den "Winkel" gelassen. Au s Dankbarkeit hat man später auf das Friedhofstor drei steinerne Engel gesetzt.

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©1999-2010 Andreas Bonadt 

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