Niederfinow

Dreibeiniger Hase (1)

Mit Niederfinow ist es eine eigene Sache. Früher war mal in den Bergen altes Mauerwerk. Jetzt heißt der Ort aber Niederfinow von der Finow. Früher hatte es auch drei Märkte, die haben sie aber eingehen lassen; der eine ist dann nach Oderberg, der andere na ch Freienwalde und der dritte nach Eberswalde gekommen, deshalb haben diese Städte vier.

Überhaupt gab es in Niederfinow mancherlei, was jetzt nicht mehr vorkommt. Eine Frau hatte zum Beispiel einen dreibeinigen Hasen im Keller sitzen, der butterte für sie immer des Nachts. Der Nachtwächter hat es oft gesehen, wenn er zum Kellerfenster hineing uckt. Der Hase aber hat sich nicht stören lassen, sondern nur gerufen: et kuckt, et kuckt! Der Frau ging auch nie das Geld aus. Sie hatte aber auch immer einen dicken Fuß. Als er dünner wurde, da war es auch mit ihr zu Ende. Als sie starb, da hat ihr Knech t gesehen, wie der Geist als ein feuriger Streifen zum Schornstein hinausgeflogen und zu ihrer Tochter ins Haus geflogen ist. Das war der "Drak" oder "Kobold", wie man ihn auch nennt. Manchmal hat sich übrigens auch der dreibeinige Hase in der Dorfstraße g ezeigt. Einst kamen Mädchen aus der Spinnstube, es war so recht heller Mondschein. Da kam der dreibeinige Hase auf sie zugehoppelt, daß sie alle Hals über Kopf ins Haus stürzten. Einer aber hat er noch die Zwickel an den Strümpfen zerrissen. Wie aber jeman d mit einer Laterne gekommen, ist er wieder so weggehoppelt, wie er gekommen war.

Dreibeiniger Hase (2)

Eine arme Frau in Niederfinow hatte, ohne daß jemand wußte, aus welchen Mitteln, einen Butterhandel angefangen. Die Leute von nah und fern kamen und kauften die schöne frische Butter. Oft schon hatten die Käufer gefragt: Woher kommt die schöne Butter? und Aus dem Keller von da unten hatte die Frau geantwortet. So ist es lange Zeit gegangen. Da hat der Nachtwächter einmal ein merkwürdiges Geräusch gehört, das aus dem Keller der Frau kam. Beherzt ist er näher gegangen, und wie er in das Kellerfenster hineinge sehen, da entdeckte er plötzlich einen großen Hasen mit drei Beinen, der stand vor einem Butterfaß und butterte emsig. Das ist dem Nachtwächter doch so in alle Glieder gefahren, daß er eilig davonstürmte. Am anderen Morgen wußten es alle Leute, und niemand kam mehr, die Butter zu kaufen: Die ist behext meinten sie. Kurze Zeit danach ist die Frau gestorben, und als man sie aus dem Hause hinaustrug, ist auch der dreibeinige Hase durch den Schornstein auf und davon gegangen; ein richtiger "Drak" oder "Kobold", wie die alten Weiber sagten.

Weiße Frau von Niederfinow

Die hatte es besonders auf die Fischer abgesehen, denen sie in der Nacht ihre Netze zerriß. Aber nicht nur in nächtlicher Stunde trieb sie ihr Wesen, auch zur hellen Mittagszeit, meist um Johanni herum, hielt sie ihren gespenstigen Umgang. Dann war sie nic ht nur weiß, sondern auch wie eine Riesin so groß und über die Berge und Schluchten schritt sie mit Siebenmeilenstiefeln dahin. Soll es sogar fertiggebracht haben, oben auf den Baumkronen von einem Ast zum anderen zu gehen. Aber einmal ist der weißen Frau doch von zwei Fischern ein Schnippchen geschlagen worden. Die waren auch wieder auf dem Wasser mit dem Legen von Netzen beschäftigt, und der eine war schon ans Land gegangen, während der andere noch auf dem Wasser zu tun hatte. Da bemerkte der letztere im Mondschein die weiße Frau aus einer Schlucht zwischen den Bergen herabkommen, gerade auf den Kahn seines Kameraden zu. Der aber konnte die Gestalt nicht wahrnehmen, doch auf den Ruf des anderen Fischers sprang er schnell in den Kahn und stieß ab. Da ließ d ie weiße Frau ein gellendes Gelächter ertönen und gleich darauf war sie verschwunden. Wäre der Fischer aber nicht gleich abgefahren, dann hätte sich die weiße Frau in den Kahn gesetzt und hätte nicht nur die Netze zerrissen, sondern auch den ganzen Fischfa ng unmöglich gemacht.

Falscher Waldemar

Der falsche Waldemar hieß eigentlich Jakob Rehbock und war ein Müllergeselle. Er entstammte einem Liebesbund des Markgrafen Konrad mit der schönen Clothilde von Eberswalde. Clothilde zog später nach Straußberg, um Konrad ganz nahe zu sein, der ihr die E he versprochen hatte. In Straußberg pflegte Konrad seinen Hof zu halten.

Doch der Fürst hielt sein Wort nicht. Da versuchte die gekränkte Clothilde sich zu rächen, und drang, mit einem Dolch bewaffnet, nachts in die Straußberger Hofburg ein. hier verfehlte sie aber in den engen Räumen das richtige Zimmer und erdolchte ihre eig ene Mutter. Aus Gram wurde sie wahnsinnig und man sperrte sie in ein Kloster. Nach 15 Jahren gewann sie ihren Verstand wieder, floh aus dem Kloster und fand Schutz bei ihrem Oheim Wedigo von Plotho. Dieser hatte inzwischen ihren Sohn zu einem Müller in Hun deluft bei Zerbst an Kindes Statt übergeben. Jetzt nahm Wedigo auf Clothildes Bitten den jungen Burschen zu sich und ließ ihn gelehrt und ritterlich ausbilden. Durch manch kühne Waffentat bekannt geworden, nahm ihn schließlich sein Bruder Waldemar als Leib knappen an. Nach dem Tode seines Bruders, des Markgrafen Waldemar, und seines Oheims wurde der Bursche wieder Müller und trat bei dem Wassermüller Andreas Küpper zu Markgrafpieske bei Fürstenwalde in Arbeit. Von dort kam er in die Ragöser Mühle bei Chori n. Hier lernten ihn die Choriner Mönche kennen, die in ihm ein willfähriges Werkzeug ihrer politischen Intrigen fanden. Von ihnen ausgerüstet, trat er dann als "falscher Waldemar" auf.

Er soll in Niederfinow begraben liegen.

a b o @ o d e r b e r g . i n f o
©1999-2010 Andreas Bonadt 

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