Parstein

Untergegangene Stadt im Parsteinsee (1)

Über den Untergang der Stadt erzählte ein alter Schäfer aus Pehlitz folgende Sage:

Das Tal, das jetzt der See ausfüllt, gehörte einst dem Wendenkönig Dagobert. Dieser lebte froh und glücklich in dem alten Schlosse seiner Residenz, die aber damals nicht wie heute auf dem Grunde des Sees lag, sondern treulich zwischen den Bergen versteckt, tief im Tale, inmitten schöner Gärten und fruchtbarer Wiesen. Der König war heiter und zufrieden, denn er hatte alles, was einem das Leben angenehm machen kann. Eines Tages starb seine Gemahlin; sie hinterließ ihm zwei Töchter, denen das Glück zuteil gewo rden war, daß an ihren Wiegen zwei jener mächtigen Wesen Pate gestanden hatten, die man Feen nennt. Diese vertraten später Mutterstelle bei den kleinen Prinzessinnen und beschützten und pflegten sie so gut, daß sie in Gesundheit und Schönheit kräftig heran wuchsen.

Als Patengeschenk segnete die eine den Brunnen des Schloßhofes und ließ das Wasser für alle Krankheiten heilsam sein, vor allem auch als wirksames Mittel gegen den Feind des Menschen, das Alter. Ein Greis brauchte nur einen Schluck des Wassers zu sich zu n ehmen, und wenn er auch nicht die Frische und das Aussehen der Jugend wieder erhielt, er durfte doch noch lange Jahre in guter Gesundheit fröhlich dahinleben.

Die andere Fee spendete einen kupfernen Krug, der allein nur zum Schöpfen des heilsamen Wassers benutzt werden durfte. Als nun die beiden Prinzessinnen ziemlich erwachsen waren, mußten plötzlich die Feen auf Befehl der Königin unsere Gegend verlassen. Beim Abschied vertrauten sie dem König an, daß ein böser, aber mächtiger Geist am Werke sei, um ihn, wie der ganzen Stadt, Unheil zu bringen. Da ihm alle Dinge, die dem finsteren Schoß der Erde entsteigen, untertan seien, habe er auch über das Wasser, das dem Boden entquelle, Gewalt. Also auch über die Fluten des heilsamen Brunnens. Um diesen nun vor drohendem Unheil wirksam zu schützen, ließ der König den unscheinbaren Brunnen auf die kostbarste Art mit geschliffenem Marmor umgeben und aus schönstem Rosenholz ein Dach darüber erbauen, das nur eine einzige Tür hatte, zu der der König ein überaus künstliches Schloß machen ließ, dessen Schlüssel er beständig bei sich trug und nie von sich gab. Da er nicht wie die meisten modernen Könige unnahbar war, und sich hint er sein Geld und seine ihm von Gott verliehene Macht versteckte, gönnte er jedermann den Genuß des heilsamen Wassers unentgeltlich. So durften zu gewissen Stunden jung und alt, arm und reich in den Schloßhof kommen, wo alsdann der König sich selbst am Brun nen einfand, mit eigener Hand das Schloß öffnete und sorgfältig darauf acht gab, daß aus dem Brunnen mit keinem anderen Gefäß als mit dem kupfernen Krug geschöpft wurde. Das Wasser hatte in kurzer Zeit schon viele gute Dienste getan. Darum war es leicht er klärlich, wie darob der Neid jenes bösen unterirdischen Geistes rege werden konnte. Er hatte schon in mancherlei Gestalt versucht, den Krug zu rauben oder die Tür zu zertrümmern, mit welcher der König den Brunnen verwehrte. So fand einige Male der König zw ei Krüge von gleicher Gestalt, wodurch es ihm schwer geworden, den rechten zu erkennen. Zum Glück hatten die Feen den beiden Prinzessinnen das Gefühl für den echten gegeben. Auch waren schon des öfteren Gesandte fremder Könige oder deren Prinzen selbst gek ommen, um von dem Wasser zu kosten. Schon mehr als einer hatte ihn ersucht, mit seinem Gefäß das Wasser schöpfen zu dürfen. Doch der König hatte zu gut des Spruches der Fee gedacht und darum immer strikt nach ihrer Weisung gehandelt.

Aber so ernstlich der König auch darauf sah, das gefährliche Geschenk mit möglichster Sorgfalt zu behüten, wurde er eines Tages doch überlistet. Es begab sich an einem hellen Sommermorgen, daß Dagobert befahl, in dem Schloßgarten ein Frühstücksmahl zu rich ten. Es war ein herrlicher Tag, und nachdem der König mit den beiden Prinzessinnen und seinem Gefolge einen Ritt über die benachbarten Berge gemacht hatte, kehrten sie in den Schloßgarten zurück, wo alles zum Essen bereitet war. Oben am Tisch saß der König und zu seiner Seite die Prinzessinnen. Der kupferne Krug, den er sogar auf seinen Sattelknopf hing, stand vor ihm auf dem Tische. So tafelten sie. Da bemerkt man auf einmal, daß ein zerlumpter Bettler sich dem König näherte. Vor der Tafel angekommen, ließ er sich auf die Knie nieder und flehte den König mit rührendsten Worten um einen Trunk aus dem Brunnen mit dem heilsamen Wasser an. Der König, der nicht gern aufstehen wollte, bat ihn, in einer Stunde ins Schloß zu kommen. Jetzt beschwor der Bettler den K önig, das Wasser könne ihm nur in diesem Augenblick helfen, das er gerade von fürchterlichen Schmerzen geplagt sei. Als die Prinzessinnen sahen, daß der König nur ungern seinen Platz verlassen wollte, erboten sie sich, mit dem Bettler hinab in den Schloßho f zu gehen, um diesen mit einem Trunk Wasser zu helfen. Sie drangen so lange auf den Vater ein, bis dieser ihnen unter Hinweis auf äußerste Vorsicht, Krug und Schlüssel übergab. So gingen sie zum Schloßhof. Der Bettler folgte ihnen. Keinem kam irgendein ar gwöhnischer Gedanke. Jetzt kamen sie an den Brunnen, schlossen das Dach auf, schöpften mit dem kupfernen Kruge das Wasser und fragten den Bettler, ob er ein Gefäß mitgebracht habe. Das verneinte dieser. Aber gleich darauf, niemand weiß, wie es gekommen ist , schwang er triumphierend den Krug über seinem Haupt und versank in die Erde. Nun erkannte man, daß man von jenem Mächtigen Geiste überlistet war. Die Prinzessinnen bemühten sich, das Brunnendach vor der heraufstürzenden Flut zu verschließen. Aber vergebe ns. Immer neue und gewaltigere Wasserströme entstürzten der Tiefe. Die Prinzessinnen riefen um Hilfe, aber niemand, da alle durch die Künste des Geistes erstarrt, sprang zu ihrer Rettung herbei. Schon hatte das Wasser den ganzen Schloßhof überströmt und st ieg an den Mauern und Talwänden langsam empor. Bald war von den beiden unglücklichen Prinzessinnen nichts mehr zu sehen. Schon stand das Wasser bis zur Hälfte des großen Turms, dann hatte es das Dach erreicht, dessen Spitze im nächsten Augenblick nur noch hervorsah und dann auch verschwand. Und wie sich das Wasser über ihr zusammenschloß, zeigte ein kleiner, zitternder Ring, der sich immer größer und größer ausbreitete, daß die gewaltige Wasserfläche eine ganze Stadt bedeckte.

Versunkene Stadt im Parsteinsee (2)

Südlich von Angermünde erstreckt sich ein großer See, der überall von mäßigen aber meist steilen Höhen umgeben ist. In ihm soll eine große Stadt, und zwar durch die eigene Schuld der Bewohner untergegangen sein. Es fehlte ihnen nämlich schon lange an gutem Trinkwasser und sie hatten auch schon viele Brunnen gegraben, aber immer nicht ihren Wunsch erreicht.

Da kam einst ein Zauberer und grub ihnen einen schönen tiefen Brunnen, dessen Wasser hell und klar war. Aber er füge zu seinem Geschenk zugleich die Warnung hinzu, daß sie den Brunnen jeden Abend sorgfältig zudecken sollten. Das taten sie auch jahraus, jah rein. Einst, wie es kam, weiß man nicht, wurde es vergessen. Da fing in dem Brunnen plötzlich die Flut an emporzuwallen und stieg immer höher und verschlang die Stadt samt ihren Bewohnern. Das Wasser trat aber weiter und weiter aus, bildete zuletzt den gro ßen Parsteiner See.

Einige erzählen auch, die Stadt hätte sich noch weiter über den jetzigen See hinaus erstreckt, und zwar bei Pehlitz vorbei in die Heide hinein, bis zum sogenannten venedischen Kirchhof. Auf dem Pehlitzwerder hat das Schloß gestanden und man kann noch heute die Spuren des Gemäuers dort sehen. Im Wasser erblickt man auch zuweilen bei hellem Wetter den Kirchturm und hört das Läuten der Glocken, die auch hin und wieder ans Tageslicht kommen, wo man sie dann miteinander sprechen hört.

Untergegangene Stadt im Parsteinsee

Die im großen Parstein (Parsteinsee) untergegangene Stadt soll Fineten oder Veneden geheißen haben, und daher kommt es denn auch, daß bis auf den heutigen Tag ein Stück Landes dort am See der Venedische Kirchhof heißt.

Der Parsteinwerder

Der Parsteinwerder soll einst Insel Seehausen geheißen haben.

Parsteinwerder

Ein Hühnenmädchen wollte einst einen Damm durch den Parsteinsee bauen, der sie trockenen Fußes von Bölkendorf nach Brodowin bringen sollte. Sie trug zwei Schürzen Erde herbei, die sie an jedem Ufer niederwarf. Das sind die zwei Landzungen, die noch heutige n Tages sichtbar sind. Als sie aber mit der dritten Schürze voll Erde ankam, fiel sie und brach ein Bein. Dabei fiel die Erde mitten in den See. So entstand die Insel, die man Parsteinwerder nennt.

Vom Sturzwerder im Parsteinsee

Das Kloster Chorin, das vor 1272 auf der Insel im Parsteinsee gestanden haben soll, war schon immer dem heidnischen Fürsten Udo ein Stein des Ärgernisses gewesen. Er faßte daher den Entschluß, das Kloster vom Erdboden verschwinden zu lassen. Er ließ eine M enge Kähne bereitstellen, um mit seinen Mannen die Überfahrt nach dem Kloster anzutreten. Aber, so oft er die Fahrt ansetzte, immer warf ihn ein heftiger Sturm ans Ufer zurück.

Er sprach: Nun will ich einen Damm bauen, der mich trockenen Fußes ans Ziel bringen wird. Dann kann weder Wind noch Wellen mir Trotz bieten. Gesagt, getan! Schon hatte er drei Schürzen voll Erde in den See getragen, bei der vierten glitt er aus und wurde v on den Fluten des Parsteinsees verschlungen. Als seine Weiber von diesem traurigen Geschick Kunde erhielten, eilten sie herbei und stürzten ihm nach.

Noch heute will man aus der Tiefe heraus die Klagelieder der Frauen deutlich vernehmen können. Die Halbinsel aber, die durch die drei Schürzen Erde entstanden ist, und aus den Fluten des Parsteinsees hervorragt, führt im Munde des Volkes den Namen Sturzwer der und wird heute noch als ein Werk des Fürsten Udo bezeichnet.

Teufelsdamm im Parsteinsee

Ein Bauer aus dem Dorfe Parstein, der viel jenseits des Sees zu tun hatte, und den beschwerlichen Weg um den See ersparen wollte, machte einst einen Bund mit dem Teufel und versprach ihm seine Seele, wenn er ihm in einer Nacht quer durch den See einen Damm baue, doch müsse er bis zum ersten Hahnenrufe fertig sein. Der Teufel war zufrieden und ging ans Werk. Die Arbeit schritt so rasch voran, daß der Bauer voraussah, der Teufel würde noch lange vor der festgesetzten Frist fertig werden, und er sann auf eine List, wie er den Teufel betrügen möchte. Er ging in den Hühnerstall und scheuchte die Hühner auf, und der Hahn, der da glaubte, es sei bereits Morgen, fing an zu krähen. Da war der Teufel geprellt, und kaum hörte er den Hahnenruf, warf er die Steine wild d urcheinander und der Damm blieb unvollendet bis auf den heutigen Tag.

Riesenmädchen am Parsteiner See

Von dem erzählt man sich allerlei seltsame Geschichten. Einmal ist es hinausgegangen auf die Wiese, um Schweine zu hüten. Da die Borstentiere aber sehr wild auseinanderliefen, wollte die Riesin sie mit einem Stecken zusammentreiben. Den hatte sie aber verg essen, riß also eine der größten Buchen aus der Erde, entfernte die Zweige und Blätter und benutzte den glatten, schlanken Baumstamm als Hirtenstab. Ein andermal wollte die Riesin einen Damm auf den See errichten, zwischen Bölkendorf und Brodowin, hatte au ch schon mit zwei Schürzen voll Erde beinahe die Arbeit geschafft, da fiel sie beim Heranschaffen der dritten Schürze hin, und die Erde fiel in den See und formte sich zu einer Insel, die noch heute vorhanden ist. Als die Riesin einmal einen Bauern auf dem Felde bei der Arbeit sah, hob sie ihn mit seinem Pfluge und seinem Ochsengespann von der Erde auf, packte alles in ihre Schürze und nahm es mit auf das Schloß ihres Vaters, dem sie das hübsche Spielzeug vorführte. Der aber schalt sie ein unvernünftiges Ki nd und befahl ihr, die kleinen Lebewesen auf das Feld zurückzutragen, wo sie sich viel nützlicher machen könnten als im Hause eines Riesen.

Feindliche Brüder (1)

Vor langer Zeit lebten zwei Brüder, die im Parsteinsee einen Krebs gefangen hatten, den jeder von ihnen haben wollte. Da keiner nachgab, kam es zum Kampfe, wobei sie sich gegenseitig erschlugen. Seitdem sieht man zuweilen zu beiden Seiten des Sees ein Feue r, wie man es beim Krebsen anzündet. Das rührt von den feindlichen Brüdern her, die keine Ruhe im Grabe gefunden haben, und noch immer am Ufer des Sees krebsen.

Bruderstreit um den großen Krebs (2)

Zwei Brüder hatten beim Fischfang auf dem großen Parsteiner See das Glück gehabt, einen riesigen Krebs in ihr Netz zu bekommen. Jeder von ihnen betrachtete das prächtige Schaltier als sein Eigentum, und da sie sich nicht einigen konnten, gerieten sie in St reit, der immer heftiger entbrannte, bis sich die Brüder in grimmiger Wut gegenseitig erschlugen. Aber nach ihrem Tode konnten sie keine Ruhe finden. Sie erscheinen in der Nacht an den Ufern und gehen auf den Krebsfang aus. Ihr Kommen aber wird durch zwei Feuerzeichen angekündigt, die zugleich auf beiden Seiten des Sees, bei Parstein und bei Brodowin, sichtbar werden. Und die Fischer meinen, diese Feuer seien die Brüder selber, die sich auch im Tode noch hassen und gegenseitig bekämpfen. Und das grelle Rot des Feuers soll auf die Farbe des Krebses hindeuten.

Riesen am Parsteinsee

Die Riesen, die einst am Parsteinsee wohnten, so erzählt man, sind größer gewesen, als das jetzige Geschlecht. Die Menschen, die nach uns kämen, würden viel kleiner sein, daß ihrer neun in einem unserer Backöfen dreschen könnten, ohne sich einander die Köp fe einzuschlagen.

Drei Jungfrauen vom Parsteinsee

Vor vielen Jahren stand am Ufer des Parsteinsees ein einsames Landhaus, das von einem großen schönen Garten umgeben war. In diesem Hause wohnten drei Jungfrauen, eines reichen Mannes Kinder, die sich in früher Jugend aus religiösen Gründen Ehelosigkeit gel obt hatten. Da sie aber älter wurden, fühlten sie, wie zwecklos und öde ihr Leben war und vertrauten einander ihre heimlichen Wünsche. Als sie einmal alle drei in ihrem Garten saßen und davon redeten, wie sie aus ihrer selbst gewählten Einsamkeit am besten entfliehen könnten, steht plötzlich ein Mann vor ihnen, alt und ansehnlich, in schwarzem Mantel mit großem Hut und spitzem, rotem Bart. Der spricht zu ihnen: Liebe Jungfrauen, ich habe drei Söhne, die sind jung und euer wohl würdig. Wollt ihr diese zu Män ner haben, so kommt auf den Abend wieder an diesen Ort, dann will ich euch dazu verhelfen.

Auf den Abend nun finden sich alle drei wieder im Garten ein. Der Mond ist über dem See aufgegangen und hat seinen großen Spiegel mit unzähligen Goldfunken überstreut. Bei seinem Schein sehen die drei Jungfrauen wieder den alten Mann über die Mauer steigen . Er fragt sie und begehrt zu wissen, wie sie gesinnt sind. Wenn sie mit ihm gehen wollten, sollten sie ihr ganzes Leben Gutes in Fülle haben. Darauf gaben die drei ihr Jawort, jedoch mit der Bedingung, daß er ihnen eins zusage und halte: Daß sie nicht zu weit von hier zu seinen Söhnen geführt werden, und daß sie alle Jahre einmal wiederkommen möchten.

Jawohl, beteuerte der Alte, das soll euch treulich gehalten werden, greift nur alle drei diese Schnur an. Damit spricht er einige Worte und alsbald werden sie in wilde Schwäne verwandelt und fliegen mit ihm über die Mauer in den See hinein.

Alle Jahre aber, an demselben Tag, da sie hinausgeflogen, kommen sie dreimal aus dem Wasser hervor. Bisweilen hört man sie deutlich rufen. Dann liegt eine irgendwo krank vor Herzensnot, und am nächsten Tage geht sie ins Wasser und muß ertrinken.

An dunklen Herbstabenden, wenn der Wind sein Wesen um die längst verfallenen Mauern des einsamen Hauses treibt, hat man oft jenes seltsam helle Schreien gehört und dann angstvoll gewartet, ob am nächsten Tag eine Maid ertrinken würde.

Schäfer Schluck

Wenn man von Liepe aus durch den Forst auf Parstein zugeht, so begegnet man zu seiner Rechten mitten im Walde einer eigenartigen Naturerscheinung. Drei Bäume am Wege, eine Eiche, eine Buche und eine Kiefer, sind so miteinander verschlungen, daß sie wie ein Mensch aussehen. Die Leute nennen diese eigenartige Erscheinung "Schäfer Schluck" und erzählen sich dann folgende Geschichte:

In Parstein wohnte einmal ein Schäfer Schluck. Der hatte die Jahre hindurch ein tüchtiges "Schwarzgeld" verdient. Nun war er drauf und dran, sich ein Haus zu bauen. Es fehlten ihm nur noch hundert Taler. Um diese Summe schnell zu bekommen, ging er heimlich des Nachts mit Kienfackeln auf Krebse aus, deren es viele in den Bauernseen gab. Den Bauern aber war schon aufgefallen, daß es an ihren Seen nicht mit rechten Dingen zugehen konnte.

Da taten sich die Bauernburschen eines Abends zusammen, rüsteten sich mit Knüppeln aus und beschlossen, nach dem Krebsdieb auf der Lauer zu bleiben. Da hörten sie auf dem Waldweg Schritte, Schäfer Schluck war in Sicht. In dem Sack schien er etwas Lebendige s zu haben und man sah, wie zwei Krebse sich anschickten, herauszukrabbeln. Da hatte man den Räuber. Kurzerhand packte ihn einer der Burschen und schlug ihn dermaßen, daß er mit seinem Sack am Wege liegen blieb. In demselben Augenblick schlug von irgendwoh er eine Kirchturmuhr zwölf.

In jener Stunde rötete das Blut des Schäfers diese Waldstelle. Eine hungrige Mücke, die ihren Durst mit dem Blute stillen wollte, mußte dies mit dem Leben büßen. Ihre Seele aber, sagen die Leute, hat Rache geschworen. Von Stund an gibt es an keiner Stelle des Waldes soviel Mücken wie hier, wo der Schäfer Schluck niedergeschlagen wurde.

Mittlerweile haben sich an jener Stelle drei Bäume - Eiche, Buche und Kiefer- fest aneinander geschlungen. Kein Förster will sie gesät oder gepflanzt haben. Wenn man eine Weile auf den Stamm der Eiche schaut, sieht man in der Rinde das Gesicht des Schäfers Schluck, und in den Buchenzweigen kann man überall Krebsscheren wahrnehmen. Die Krone der Kiefer sieht aus, wie ein dichter Mückenschwarm.

a b o @ o d e r b e r g . i n f o
©1999-2010 Andreas Bonadt 

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