Stolpe

Der Grützpott

Einst hauste der Raubritter Tiloff mit seiner Mutter und seinen Knappen auf der Stolpener Burg. Häufig fand er sich auf dem Markte der Stadt ein, um reiche Kaufleute auszukundschaften. Rüsteten diese zum Aufbruch, ritt Tiloff eilends zu seiner Burg und rie f seine Leute zusammen. Im Hinterhalt lauerten sie den Kaufleuten auf, mordeten und plünderten sie.

Eines Tages beobachtete Tiloff einen Kaufmann, der viel kostbares Schleierleinen auf dem Markte verkauft hatte und eine wohlgespickte Geldkatze um den Leib geschnallt trug. Tiloff machte sich allein an die Verfolgung des Kaufmanns, in dem er eine leichte B eute witterte. Doch der Kaufmann war auf der Hut. Als der Raubritter mit gezogenem Schwert auf ihn eindrang, zog der Händler seine Pistole, die mit einem silbernen Knopf geladen war und schoß Tiloff mitten ins Herz. So fanden ihn seine Leute mitten im Wald . Schnell verbreitete sich die Kunde vom Tode des Wegelagerers. Die Bevölkerung wollte das Raubnest völlig zerstören. Die Bauern scharrten sich zusammen und stürmten die Burg. In ihrer Bedrängnis flüchteten sich die Strauchritter in den mächtigen Bergfried , den sie hartnäckig mit all den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigten. Von der Höhe des Turms warfen sie schwere Steine in die Tiefe, gossen aus großen Pfannen siedendheißes Pech auf die Angreifer und zuletzt schütteten sie das soeben fertigg ekochte Essen, einen Kessel mit heißem Grützbrei, herab. Aber das vermochte die Bauern nicht zu schrecken. Der Stolpener Schmied, der auf der obersten Sprosse der Sturmleiter stand, bekam die Grütze auf seine Sturmhaube. Wutentbrannt rief er: Den Grützpott wärn wir bald utschüre. Mit voller Wucht rammte er seine Eisenstange gegen die Bohlentür des Turms. Das Holz krachte und splitterte und die erbitterten Bauern drangen in den Bergfried ein. Das war das Ende des Raubnestes. Die Burg zerfiel, nur die Mauern des Bergfrieds ragten noch auf, im Volke Grützpott geheißen.

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©1999-2010 Andreas Bonadt 

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