!Verkehrsinfo

Folgende Straßenbauarbeiten behindern die Anfahrt nach Oderberg:

4/18-
12/18
L29 Vollsperrung zwischen Oderberg und Liepe
Die Baustelle befindet sich in Oderberg, zwischen Cafe und Pension Seeblick (erreichbar aus Oderberg) und Sandberg. Besucher werden deshalb gebeten, die Umleitung über Bad Freienwalde zu nutzen. Von Eberswalde aus bietet sich alternativ die schöne Strecke über Chorin-Brodowin-Parstein an.

Die Festung Bärenkasten

Am Sportplatz in Oderberg finden sich heute noch die Überreste einer Festungsanlage aus de m 14. Jahrhundert: die Festung "Bärenkasten". Die heutigen Überreste lassen kaum die einstige Größe und Bedeutung der Festung erahnen, die einst dem Schutz der Stadt, der Oder und zur Sicherung von Zolleinnahmen diente.

Die Geschichte der Festung ist sehr interessant. Schon die Entstehung ist eine spannende Geschichte.

Im Jahre 1353 erteilt der im Grunde mittellose Markgraf Ludwig I. der Römer die Erlaubnis zum Bau einer neuen Festung: und zwar an Henning von Uchtenhagen und Dietrich von Mörner. Diese sollten darauf wohnen dürfen und Zoll eintreiben. Bis zur Begleichung der Baukosten sollten Sie die Zolleinkünfte und die Hälfte der Einnahmen aus der Niederlagsgerechtigkeit behalten dürfen. Zu dieser Zeit bestand noch eine 1349 bei einer verlorenen Schlacht gegen die Pommern zerstörte Burg auf dem heutigen Albrechtsberg. Dieser Standort bot anscheinend nicht genügend Schutz und war nicht geeignet, den zunehmenden Warenstrom auf der Oder zu kontrollieren. Die Burg wurde durch den Markgrafen zum Abriss freigegeben.

Lage der FestungDie neue Festung entstand nun auf einer der Stadt gegenüberliegenden Oderinsel. Hier sollen noch Reste einer spätslawischen Fluchtburg gestanden haben. Der Bau dauerte bis 1355. In diesem Jahr verkaufte Uchtenhagen seine Anteile schon an den Hofmeister des Markgrafen Hans von Wedel. In den folgenden Jahren wurden einige Waffen auf der Festung installiert, wie 30 Armbrüste und mehrere gegossene Kanonen.

Unter dem Schutz der Festung erblühte Oderberg. 1375 weist das Landbuch Kaiser Karl IV für Oderberg die höchsten Zoll- und Niederlagseinnahmen der Mark Brandenburg aus. Ab 1442 werden in Oderberg auch Wochenmärkte abgehalten, wo regionale Waren aus Handwerk und Landwirtschaft angeboten wurden. Für Waren aus anderen Orten gab es jährlich einen Jahrmarkt und ab 1532 sogar zwei Jahrmärkte. Die lange Friedensperiode führte dazu, dass die Festung vernachlässigt wurde, und Berichten zufolge sogar bis auf die Außenmauern verfiel.

Im 17. Jahrhundert brechen düstere Zeiten an. 1605, 1611 und 1612 wütet die Pest in Oderberg. Kurz darauf beginnt der Dreißigjährige Krieg. Man erinnerte sich wieder an die Festung und Kurfürst Georg Wilhelm (1619-1640) verfügte eiligst den Wiederaufbau derselben. Die erwachsenen Oderberger mussten dabei helfen. Wer ein Pferdefuhrwerk besaß musste Baumaterial transportieren. Als Vergütung gab es zu Essen und Bier.

Aufgrund einer Akte aus dem Jahre 1623 ist zu vermuten, dass wirklich Bären in der Festung gehalten wurden. Darin heißt es, dass die Bürger Oderbergs beauftragt wurden, "Luderknochen aus dem Behren Kasten zu entfernen", weil neue Bären ankommen sollten.

1636 zog Hauptmann Baltasar Kunitz mit 150 Mann Besatzung in die Festung ein. Schon 1637 kamen schwedische Truppen unter General-Major von Dromont nach Oderberg und belagerten die Festung. Sie konnten sie aber nicht einnehmen. Die Stadt wurde dabei fast zerstört. Zwei Jahre später kamen die Schweden wieder und beschossen die Festung von der Bastei auf dem Albrechtsberg. Diesmal war der Bärenkasten noch besser ausgebaut und mit Kontreskarpen (Schanzwerken) versehen und Hauptmann Friedrich August von Kötteritz versah seinen Dienst dort. Von ihm ist auch ein ausführlicher Bericht über die Kämpfe überliefert:

Der Feind ist mittags (14. Juli 1639) zwischen 11 und 12 Uhr angekommen und hat sich in geschwinder Eile 5 Batterien gebaut. Diese enthielten 6 Kanonen, von denen die größte 12 Pfund Geschosse schleudern konnte (Viertelkartaune?). Etliche darunter schossen kontinuierlich und gut. Es ging ohne größeren Schaden für uns ab, Gott sei Dank. Ein Soldat wurde am Arm getroffen und ein weiterer Soldat hatte Splitterverletzungen, weil sie oft durch unsere Befestigungen schossen (Palisaden). 5 Uhr abends gebrauchten sie auch Mörser (Steilfeuergeschütze). Diese hatten viele Schläge und Steine (Granaten mit Sprengladungen oder Steinbeutel). ... Wiewohl sie zwei Stunden in der Nacht geschossen hatten, war außer, dass eine Granate mitten in den Turm fiel, worin mein Etablissment ruiniert wurde, nichts passiert. Gott sei Dank. Am besagten Tag sind sie auf dem Flussteil Megelitze heraufgekommen. Sie hatten darauf 2 Geschütze und beschossen laufend die Schanze. Die Brustwehr war so dick, dass sie nichts ausrichteten. Als sie aber an die Böschungspfähle kamen, wurden sie vom Strudel des Stromes bei hohem Wasser abgetrieben. Sie wurden ihrer Hoffnung betrogen. Aber nachts müssen sie unter schwerer Arbeit ein Floß ausgerüstet haben, womit sie nun von Nahem schießen wollten. Sie wurden abermals vom Strom abgetrieben. Wir haben daraufhin, wegen des hohen Wassers, auch des Nachts die Abwehranlagen verstärkt und sind ihnen am darauffolgenden Tag-Nacht-Zeitraum gefolgt. Gegen Morgen hatten wir sie somit gezwungen, ihr Lager zu verlegen und auch die Kanonen zurückzunehmen. Am gleichen Morgen fingen sie zugleich wie vorher mit Schießen an. Wieder ohne Erfolg. Weil sie in den Bergen sicher lagen, konnten wir nur mit Musketen auch nichts machen. Aber mit Kanonen haben wir ihre Batterien nicht geschont. Nachmittags etwa um 2-3 Uhr haben sie dann die Kanonen weggenommen und sind abmarschiert. Ich hätte solchen schleunigen Aufbruch nicht vermutet, und hätte wohl mit ihnen auf dem gleichen Festland sein mögen... Weiter wird von Überläufern und Gefangenen berichtet.

Bei den Kriegführenden handelte es sich im 30-jährigen Krieg zumeist um Söldner, denen es im Grunde nur um die Beute und die Bezahlung ging. Die Versorgung der Truppe wurde durch erzwungene Abgaben und Plünderungen sichergestellt. Eine riesiger ziviler Tross folgte den Kämpfenden, meist auch die Frauen und Kinder der Söldner. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn die Belagerung nicht lange andauerte. Sie dauerte nämlich nur so lange, bis alles ess- und trinkbare aus Oderberg ausgeraubt und aufgebraucht war. So gut wie keine Belagerung im Dreißigjährigen Krieg war erfolgreich. Die Stadt Oderberg wurde hiernach völlig zerstört. Die nächsten sieben Jahre gab es Oderberg nicht, bevor man anfing, einfachste Hütten, die sogenannten "Buden" wieder aufzubauen.

Im Jahre 1668 wird die Festung als viereckiges, dreistöckiges Gebäude mit Innenhof und Umgang mit Schießscharten, vier Ecktürmen und umgebenden Palisadenzaun beschrieben. König Friedrich I. (1688-1713) lässt die Festung weiter ausbauen und mit weiteren Schanzen und Traversen versehen. Eine hohe Batterie (Kanonenstellung) wurde nordwärts eingerichtet, um die Oder abdecken zu können und mehrere niedrigere Batterien mit je 2 Kanonen rundherum, um die Nebenläufe abzudecken. Eine Garnison wurde dahin verlegt.

Montargues legte dazu 1702 eine ausführliche Baubeschreibung vor. Es ist die Zeit des Großen Nordischen Krieges (1700-1721) um die Vorherrschaft im Ostseeraum, den die Schweden in weiten Teilen beherrschen. Doch es kommt anders als gedacht. König Friedrich Wilhelm I. (1713-1740), gerade dabei ein Preußisches Königreich aufzubauen, erkauft sich am 21. Januar 1720 den Frieden mit den Schweden. Für 2 Millionen Taler erhält er unter anderem die Hafenstadt Stettin und baut diese fortan als Hauptfestung aus.

Oderbergs Festung ist dadurch uninteressant geworden. Ab 1730 fing man an, die Festung zu "schleifen". Auf Flößen wurden die Kanonen und die Ausrüstung nach Stettin gebracht und die 100 Mann der Garnison nach Löcknitz verlegt. 1750 stand der Bärenkasten ohne Besatzung da und verfiel. Vier Jahre später wurde das Kommandantenhaus abgerissen, ...wovon die Steine, Balken und andere brauchbare Materialica zum neuen Königlichen Zollhaus bei Hohen-Sathen mit angewandt worden. Die noch vorhandenen alten Baracken werden von Tagelöhnern bewohnt. Weitere Baumaterialien sollen für eine Schnallenfabrik in Wriezen und das Wohnhaus am Berliner Tor Nr. 50 verwendet worden sein. Übrig blieben schließlich nur noch die bis zu acht Meter hohen und drei Meter dicken Kastellmauern aus Feldsteinen. Da es Feldsteine überall und billig gab, lohnte sich hierbei kein Abriss der alten Gemäuer. Und nur diesem Umstand ist es zu verdanken, dass wir heute noch die Reste der Festung in Oderberg bewundern können. Aus dieser Zeit stammt auch die Sage von der Büchse mit dem roten Pulver, die man beim Abriss gefunden haben will.

An den Innenseiten der Kastellmauern lässt der preußische König auf Staatskosten 10 kleine Häuschen errichten. Eine Kolonie mit 100 Bewohnern entsteht. Am 16. Januar 1799 erhält der Kriegsinvalide und völlig erblindete Johann Friedrich Schützler, der dem König als Unteroffizier gedient hatte, vom König selbst das Wohnrecht in einem der Häuser zugewiesen, nebst Vier und Vierzig Ruthen Land zum Garten ... erb und eingenthümlich, dergestallt und also, daß er dieses Haus und Garten, als sein Eigenthum, jedoch nach Erb-Zins-Recht-Art, an andere überlassen kann...

Andere Auflagen wurden gemacht: so durfte er außer einem Schwein, welches er im Stall zu halten hatte, kein weiteres Vieh besitzen. Weiterhin wurde festgelegt, dass er das Bier oder den Branntwein nur vom Amt Neuenhagen beziehen durfte. Dort musste wöchentlich ein Tag "Hofdienst" geleistet werden. Zu Trinitatis (Sonntag nach Pfingsten) musste er einen jährlichen Erbpachtzins von 5 Talern entrichten. Außerdem habe er sowohl die Büdner Wohnung als auch den Garten in vollkommen guten Stande zu setzen, und zu erhalten, und sich überhaupt als ein fleißiger und guter Hauswirth zu betragen. Die Bewohner hatten bis 1892 sogar einen eigenen Friedhof auf dem Gelände.

Die Tochter von Schützler verkaufte nach dessen Tod das Haus (auf der Festung Oderberg belegenes halbes Büdnerhaus bestehend aus einer Stube und Kammer und einem dazu gehörigen Garten mit allen Rechten und Gerechtigkeiten, Nutzungen und Beschwerungen) im Jahre 1829 für 100 Taler an den Schiffbauer Ludwig Masche. Und danach wurde es immer weiter vererbt. 1905 wohnten noch 15 Familien in den 10 inzwischen baufällig gewordenen Häuschen. Da neun der zehn Häuschen in staatlichem Besitz standen, konnten die Bewohner umgesiedelt und die Häuser abgerissen werden. Nur das letzte Haus blieb stehen, da die darin wohnende Familie Voigt ihren Anspruch aus den Zeiten von Schützler nachweisen konnte. Es ist das Haus, das auch heute noch in den Ruinen der Festungsmauern steht.

Der 1893 gegründete Verschönerungsverein führte ab 1905 erste Erhaltungsarbeiten an den alten Mauerresten durch. Weitere Erhaltungsarbeiten wurden auf privater Initiative in den 80er Jahren durchgeführt. Damals sprach man von Bürgerinitiative und Feierabendtätigkeit. Doch der Verfall schreitet unaufhaltsam voran. Aus Sicherheitsgründen mussten in den letzten Jahren Absperrungen errichtet werden.

Jetzt versucht man, dieses geschichtsträchtige Gemäuer auch kulturell zu nutzen. So zum Beispiel beim "Historischen Bärenkastenfest" 2005, also zum 650-jährigen Jubiläum der Festung.

Es bleibt zu hoffen, dass sich die Festung Bärenkasten als Besuchermagnet und Zeugnis der großen Vergangenheit Oderbergs noch eine lange Zeit hält. Wirklich aufhalten lässt sich der Verfall wahrscheinlich nicht, der Zahn der Zeit ist gnadenlos. Frost, Regen und Wind lösen Stein um Stein aus der Mauer...

 

 

a b o @ o d e r b e r g . i n f o
©1999-2010 Andreas Bonadt 

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